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<title>Klein-Paris</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Klein-Paris</span></h1>
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<p><b>Klein-Paris</b> ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für verschiedene Städte und Stadtteile, die sich auf die französische Hauptstadt <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> bezieht.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Deutschland">Deutschland</h2></div>
<p>Unter anderem wird <a href="Leipzig" title="Leipzig">Leipzig</a> so bezeichnet. Die weite Verbreitung dieser Betitelung für Leipzig geht auf <a href="Johann_Wolfgang_Goethe" class="mw-redirect" title="Johann Wolfgang Goethe">Goethe</a> zurück und ist als geflügelte Bezeichnung in die <a href="Umgangssprache" title="Umgangssprache">Umgangssprache</a> eingegangen. Goethe verwendete diesen Begriff im <a href="Faust_I" class="mw-redirect" title="Faust I">Faust I</a>, wo er den <i>Frosch</i> in der Szene <i><a href="Auerbachs_Keller" title="Auerbachs Keller">Auerbachs Keller</a> in Leipzig</i> sagen lässt:
„Mein Leipzig lob’ ich mir! Es ist ein <i>klein Paris</i> und bildet seine Leute.“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese Bezeichnung für Leipzig war jedoch schon vor Goethe bekannt.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch <a href="D%C3%BCsseldorf" title="Düsseldorf">Düsseldorf</a> reklamiert den Namen <i>Klein-Paris</i> für sich. Hier geht die Bezeichnung auf <a href="Pierre-Louis_Roederer" title="Pierre-Louis Roederer">Pierre-Louis Roederer</a> zurück, <a href="Napoleon_Bonaparte" title="Napoleon Bonaparte">Napoleon Bonapartes</a> Minister für das <a href="Gro%C3%9Fherzogtum_Berg" title="Großherzogtum Berg">Großherzogtum Berg</a>. Als Napoleon die festlich geschmückte Hauptstadt des Großherzogtums im November 1811 besuchte, schrieb Roederer in einem Brief an seine Frau, dass die Feierlichkeiten in Düsseldorf die glanzvollsten der Reise gewesen seien und Düsseldorf für einige Tage ein <i>Klein-Paris</i> geworden sei.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ebenfalls als <i>Klein-Paris</i>, zumindest aber als <i><a href="Klaa_Paris" title="Klaa Paris">Klaa Paris</a></i> auf <a href="Frankfurterisch" title="Frankfurterisch">Frankfurterisch</a> wird der <a href="Frankfurt_am_Main" title="Frankfurt am Main">Frankfurter</a> Stadtteil <a href="Frankfurt-Heddernheim" title="Frankfurt-Heddernheim">Heddernheim</a> bezeichnet. Als 1866 die Preußen nach Frankfurt kamen und mit <a href="Versammlungsverbot" title="Versammlungsverbot">Versammlungs-</a> und <a href="Vermummungsverbot" title="Vermummungsverbot">Vermummungsverboten</a> die Frankfurter Bürger quälten, ging die Parole um: „Geht doch nach Heddernheim (zu jener Zeit noch ein dörflicher Vorort im Norden der ehemals <a href="Freie_Reichsstadt" class="mw-redirect" title="Freie Reichsstadt">freien Reichsstadt</a>), dort seid ihr so frei wie in Paris.“
Der Name Klein-Paris für die heute vor allem durch ihren Karnevalsumzug bekannte Gemeinde war geboren.
</p><p>Auch wird die <a href="Regierungsbezirk_Darmstadt" title="Regierungsbezirk Darmstadt">südhessische</a> Gemeinde <a href="Gro%C3%9F-Zimmern" title="Groß-Zimmern">Groß-Zimmern</a> als <i>Klaa Paris</i> bezeichnet. Der Begriff soll sich u.&nbsp;a. auf die feinen Cafés in Groß-Zimmern, vor dem <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a>, beziehen.
</p><p>Eine weitere Verwendung des Begriffs „Klein Paris“ ist die liebevolle Bezeichnung für den Ort <a href="Ergenzingen" title="Ergenzingen">Ergenzingen</a>, welcher wiederum ein Stadtteil der Bischofsstadt <a href="Rottenburg_am_Neckar" title="Rottenburg am Neckar">Rottenburg am Neckar</a> ist. Der Begriff wird hier sowohl im Alltag verwendet, beispielsweise gibt es ein Bistro namens „Klein Paris“, als auch ganz besonders im Zusammenhang mit der <a href="Fasnet" class="mw-redirect" title="Fasnet">Fasnet</a>. Die seit 1958 existierende Narrenzunft im Ort nennt sich selbst „Klein Paris“.
</p><p>„Klein-Paris“ ist auch der Name einer <a href="Schw%C3%A4bisch-alemannische_Fastnacht" title="Schwäbisch-alemannische Fastnacht">Fasend</a>gemeinschaft der Narrenzunft <a href="Zell_am_Harmersbach" title="Zell am Harmersbach">Zell am Harmersbach</a>.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Als im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 die deutschen Truppen Paris belagerten, zog das Ehepaar Ullmann von dort nach Zell. Ihr an der Unterentersbacher Straße erbautes Wohnhaus gab dem Volksmund Anlass, den dortigen Ortsteil „Pariser Vorstadt“ zu nennen. Und Frau Ullmann wurde dann auch die Zeller „<a href="Narrenmutter" title="Narrenmutter">Narrenmutter</a>“. Der Name „Klein-Paris“ für die Fasend-Gemeinschaft in der „Pariser Vorstadt“ entstand 1938, als der damalige <a href="Elferrat" title="Elferrat">Elferrat</a> beschloss, die Stadt einzuteilen, um für die Fasendveranstaltungen feste Grundlagen zu haben.
</p><p>Auch <a href="Oberdischingen" title="Oberdischingen">Oberdischingen</a> verwendet zumindest während der <a href="Fasnet" class="mw-redirect" title="Fasnet">Fasnetszeit</a> den Namen Klein-Paris für sich. Dies geht auf das alte Schloss, in dessen Überresten heute das Rathaus steht, zurück. Dort ist das Dachgeschoss ähnlich gebaut, wie es zu der Zeit der Entstehung des Namens in Paris üblich war.
</p><p>Die ebenfalls für die Fasnet bekannte Stadt <a href="Donzdorf" title="Donzdorf">Donzdorf</a> wird auch Klein-Paris genannt.
</p><p>Auch <a href="G%C3%BCstrow" title="Güstrow">Güstrow</a> in <a href="Mecklenburg-Vorpommern" title="Mecklenburg-Vorpommern">Mecklenburg-Vorpommern</a> führt diesen „Kosenamen“. Hintergrund ist hier, dass das seinerzeit in Schwerin regierende Adelshaus Mecklenburg-Schwerin das Güstrower Schloss ab 1695 als seinen Erholungssitz und Aufenthalt seiner <a href="Kurtisane" title="Kurtisane">Kurtisanen</a> nutzte, was sich (wegen der damaligen Kommunikationsverhältnisse) am Regierungssitz im eine Postkutschen-Tagesreise entfernten <a href="Schwerin" title="Schwerin">Schwerin</a> leidlich geheim halten ließ.
</p><p>Ein weiterer Ort, der den Namen Klein Paris beansprucht, ist die rund 600 Einwohner zählende Gemeinde <a href="Gerbach" title="Gerbach">Gerbach</a> in der nördlichen <a href="Pfalz_(Region)" title="Pfalz (Region)">Pfalz</a>, zentral zwischen <a href="Kaiserslautern" title="Kaiserslautern">Kaiserslautern</a>, <a href="Mainz" title="Mainz">Mainz</a> und <a href="Bad_Kreuznach" title="Bad Kreuznach">Bad Kreuznach</a> gelegen. Hier hat sich jedoch in der Aussprache der pfälzische Dialekt (Klä Paris) durchgesetzt.
Die Bezeichnung stammt vermutlich aus napoleonischer Zeit, zu der Soldaten sich in Gerbach vergnügten, da wohl damals eine relativ hohe Kneipendichte (ähnlich wie in Paris) zu verzeichnen war. Auch heute ist der Name noch im Namen des örtlichen Karnevalsvereins präsent. Dieser nennt sich „KPKV“ (Klä Pariser Karnevalsverein).
</p><p>Auch in <a href="Dortmund" title="Dortmund">Dortmund</a> existiert die Bezeichnung Klein-Paris für ein Flurstück im Stadtteil <a href="Aplerbecker_Mark#Klein_Paris" title="Aplerbecker Mark">Aplerbecker Mark</a>. Diese geht auf den <a href="Deutsch-Franz%C3%B6sischer_Krieg" title="Deutsch-Französischer Krieg">Deutsch-Französischen Krieg</a> zurück.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Trivia">Trivia</h3></div>
<p>In <a href="Konstanz" title="Konstanz">Konstanz</a> gab es von den 1950er Jahren bis 2010 das Bordell „Klein-Paris“, das als Blickfang ein Modell des Eiffelturms vor dem Haus stehen hatte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rumänien"><span id="Rum.C3.A4nien"></span>Rumänien</h2></div>
<p>Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde <a href="Bukarest" title="Bukarest">Bukarest</a> wegen seiner <a href="Kosmopolitismus" title="Kosmopolitismus">kosmopolitischen</a> Hochkultur und dem Einfluss der französischen <a href="Belle_%C3%89poque" title="Belle Époque">Belle-Époque</a>-Architektur <span lang="ro">„Micul Paris“</span> (Kleines Paris) genannt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Schweiz">Schweiz</h2></div>
<p>In den 1970er-Jahren starb im <a href="Aargau" class="mw-redirect" title="Aargau">aargauischen</a> <a href="Wohlen" title="Wohlen">Wohlen</a> die <a href="Strohflechterei" title="Strohflechterei">Strohgeflecht</a>-Industrie aus, die während 200 Jahren Hauptbeschäftigung, eine Bekanntheit als Modezentrum und den Namen <span lang="gsw-CH"><i>Chli Paris</i></span> (<a href="Schweizerdeutsch" title="Schweizerdeutsch">schweizerdeutsch</a> für Klein-Paris) gebracht hatte. So trug zum Beispiel <a href="Audrey_Hepburn" title="Audrey Hepburn">Audrey Hepburn</a> Strohhüte aus Wohlen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Galizien">Galizien</h2></div>
<p>Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde <a href="Pidwolotschysk" title="Pidwolotschysk">Pidwolotschysk</a> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Polnische_Sprache" title="Polnische Sprache">polnisch</a></span> <span lang="pl-Latn" style="font-style:italic">Podwołoczyska</span>) <i>Klein-Paris des Ostens</i> genannt, ein damals blühender Handelsknotenpunkt zwischen <a href="Russland" title="Russland">Russland</a> und <a href="Mitteleuropa" title="Mitteleuropa">Mitteleuropa</a> im neu entstandenen Kronland <a href="Galizien" title="Galizien">Galizien</a> innerhalb <a href="%C3%96sterreich" title="Österreich">Österreichs</a>, heute <a href="Ukraine" title="Ukraine">Ukraine</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.projekt-gutenberg.org/goethe/faust1/chap008.html.html"><i>Faust: Der Tragödie erster Teil</i></a> im <a href="Projekt_Gutenberg-DE" title="Projekt Gutenberg-DE">Projekt Gutenberg-DE</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Nicholas_Boyle" title="Nicholas Boyle">Nicholas Boyle</a>: <i>Goethe. Der Dichter in seiner Zeit.</i> Band I: <i>1749–1790.</i> Aus dem Englischen übers. von <a href="Holger_Fliessbach" title="Holger Fliessbach">Holger Fliessbach</a>. Insel Verlag, Frankfurt am Main / Leipzig 2004, ISBN 3-458-34725-9, S. 83.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20160429185857/http://www.duesseldorf.de/stadtarchiv/stadtgeschichte/gestern_heute/b_08_stadtgeschichte.shtml"><i>Stadtarchiv Landeshauptstadt Düsseldorf: Von der Hauptstadt eines Großherzogtums zur Industriestadt.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 29. April 2016 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) Ehemalige Website zur Stadtgeschichte der Stadt Düsseldorf, abgerufen am 23. Oktober 2024.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20151126050619/http://wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/specials/dusseldorf-von-a-bis-z/n-wie-napoleon-kaiser-und-klein-paris-foerderer-1.1046453"><i>N wie Napoleon: Kaiser und Klein-Paris-Förderer.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 26. November 2015 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) In: <i><a href="Westdeutsche_Zeitung" title="Westdeutsche Zeitung">wz-newsline.de</a>,</i> 19. Juli 2012, abgerufen am 6. Oktober 2012.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Thomas Kopp: <i>Die Zeller Fasend – Chronik der Narrenzunft e.&nbsp;V. Zell am Harmersbach</i>. Eigenverlag der Narrenzunft e.&nbsp;V., Zell am Harmersbach 1984, S. 218–219.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.goruma.de/staedte/bukarest/stadtgeschichte"><i>Bukarest: Stadtgeschichte.</i></a> In: <i>goruma.de,</i> abgerufen am 16. Juni 2024.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Michele Coviello (Text), Annick Ramp (Bilder): <i>FC Wohlen – ein Klub sagt leise Adieu.</i> In: <i><a href="NZZ" class="mw-redirect" title="NZZ">NZZ</a>.</i> 18. Mai 2018, S. 52 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.nzz.ch/sport/fc-wohlen-ein-klub-sagt-leise-adieu-ld.1385893">nzz.ch</a>).</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-12-14" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Klein-Paris&amp;oldid=262430044">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
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